Leonardo-Campus-Run 2025

Knapp 4.000 Läufer:innen am Start

Als Anfang des Jahrtausends der Hochschulsport den Leonardo-Campus-Run erfand, ging es den Ideengeber:innen darum, die Studierenden zum Laufen gegen die Uhr zu bewegen. Rund 400 Studierende starteten beim Premierenwettlauf über das Campusgelände. Dabei ging es sehr locker zu, denn trotz des Wettbewerbs stand eben die Ermutigung zu Bewegung im Zentrum. Mit der Veranstaltung am Mittwoch (25. Juni 2025) hatte der Auftakt nur das Laufen gemeinsam. Inzwischen ist ein kleines Dorf mit Eis-, Geträmke- und Essenständen, verschiedenen Sponsoreninfoständen, Hüpfburg, mehreren Zelten für die Versorgung von verletzten oder erschöpften Teilnehmer:innen und hunderte von Orga-Menschen, die über den Campus wieseln und alles im Griff haben.

Frieda Breitkopf von der LG Brillux Münster gewann in 18:38 Minuten den Cumpus-Run über fünf Kilometer. Schnellster Mann war der LSF-Läufer Alexander Schill, der exakt zwei Minuten und zehn Sekunden zuvor die Ziellinie überquerte. (Fotos: Werner Szybalski)

Kinderfest oder Laufspektakel?

Musik für Kids dröhnt am Nachmittag aus den großen Boxen und beschallt sehr große Teile des Sport- und Kunst-Campus an der Steinfurter Straße intensiv. Einige Kinder schlagen Rad, andere hüpfen auf einem Bein. Ganz aufgeregte, besonders jüngere Läufer:innen, stehen schon zehn Minuten bevor um 16 Uhr der Startschuss für die etwa 270 Kinder und wenigen Jugendlichen zwischen U(nter) 10 und 15 Jahren losgeht, an der Startlinie des 2,5-Kilometer-Lauf.

Andere Kinder (und begleitende Erwachsene) schielen zu dieser Zeit noch auf die nicht kürzer werdende Schlage vor dem Eiswagen. Aber dafür ist die Zeit zu knapp und trotz großer Hitze ist ein Speiseeis wahrscheinlich die falsche Wegzehrung. Vermutlich besser machen es die Kids, die noch in der Hüpfburg aktiv sind, denn sie gehen sicherlich gut aufgewärmt in den Wettlauf. Allerdings mahnen fürsorgliche Elten, dass endlich die Laufschuhe angezogen werden sollen. Aber viele Kinder sind es anscheinend gewohnt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, zumindest der Eltern, Großeltern, Erzieher:innen und Lehrer:innen zu stehen, so dass sie sich benehmen, als wären sie auf einem tollen Kinderfest statt bei einem der größten werktäglichen Laufspektakel in der Domstadt.

Für viele Kitas, Grundschulen, aber auch weiterführende Schulen sowie Sportvereine aller Ausrichtungen gehören die Laufwettbewerbe im Juni auf dem Leonardo Campus fest ins Jahresprogramm.

Während die fürsorglichen Erziehungsberechtigten ihren Kindern Mut zu sprechen, gibt es auch die Ehrgeizigen, die mit Tipps, Hinweisen und Ratschlägen ihre Kinder befeuern, als ginge es um die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft. Aber in dem Moment, als der Startschuss fällt und die Kinder auf die Campus-Runde über 2500 Meter gehen, bleibt auch diesen Eltern lediglich das Daumen drücken, anfeuern und zwischendurch rin Stückchen hinter der Absperrung mitzulaufen.

Mosaik-Schule wieder erfolgreichste Grundschule

Mit weit über 100 Kinder war die Mosaik-Schule aus Gievenbeck beim Leonardo-Campus-Lauf dabei. „Dafür sind wir als Grundschule mit den meisten Zieleinläufen geehrt worden. Das Preisgeld in Höhe von 200 Euro werden wir am Wandertag in leckeres Eis umsetzen. Das haben sich die Kinder wahrlich verdient. Zum Glück war es nicht ganz so heiß wie letztes Jahr, aber bei 28 Grad sind alle ganz schön ins Schwitzen gekommen“, vermeldete die Mosaik-Schule, dass diesmal die Mädchen besonders erfolgreich gewesen waren: „In der Altersklasse U 10 holten sie den ersten und den dritten Platz und zusätzlich belegten si die Räbge vier bis zehn. In der U 12 holten die Mädchen den zweiten und dritten Platz und waren insgesamt fünf Mal unter den schnellsten Zehnim Ziel.

Trotz Temperaturen um die 28 Grad Celsius legten die jungen Läufer:innen einen tollen Start hin.

Universität Münster stellt größte Gruppe

Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Hochschulsport Münster für seinen alljährlichen Leonardo-Campus-Run ein Abo abgeschlossen zu haben scheint: auf Temperaturen um die 30 Grad Celsius, auf Sonnenschein und vor allem auf ausgelassene Stimmung und Sportsgeist. Bei der 23. Auflage gingen knapp 4000 Läufer_innen an den Start. Kinder, Einsteiger:innen, fortgeschrittene und ambitionierte Athlet:innen konnten wieder zwischen vier Distanzen wählen: 750 Meter, zweieinhalb, fünf und zehn Kilometer. Der Staffellauf über vier Mal zweieinhalb Kilometer ist noch relativ neu im Portfolio der Veranstaltung, erfreute sich aber auch beim dritten Mal großer Beliebtheit. Dieser Lauf, an dem 59 Staffel-Teams teilnahmen, bildete am Abend den krönenden Abschluss. „Schon im Vorfeld zeichnete sich mit rund 4.300 Anmeldungen ein großer Zuspruch ab. Wir sind froh, dass alles so gut geklappt hat und die Lauffreude ungebrochen ist“, erläuterte Tim Seulen, Mitorganisator beim Hochschulsport.

Viele junge Frauen waren mit großer Freude beim Leonardo-Campus-Run dabei.

Der Veranstaltungsort, dem das Laufevent seinen Namen verdankt, trägt seit jeher zum Charme dieser Veranstaltung bei. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Sportler:innen nach den Läufen am Campus blieben und den Sommerabend genossen. „Der Leonardo-Campus-Run ist für viele nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch eine Gelegenheit, um sich in entspannter Atmosphäre mit den Kolleginnen und Kollegen auszutauschen und den Start in den Sommer zu feiern“, betonte Thomas Böckenholt, Läufer und Mitglied des Organisationsteams der Universität Münster. Knapp 400 Beschäftigte der Universität Münster nahmen an der Laufveranstaltung teil – leicht zu erkennen an den Trikots, die mittlerweile Kultstatus haben. Die beliebten Sammelobjekte waren in diesem Jahr in anthrazit gehalten.

Dieser Ort ist besonders

„Wir sind stolz, sehen die Entwicklung“, sagt Tim Seulen, Mitorganisator beim Hochschulsport, der sich freut, dass es vornehmlich Schülerinnen und Schüler seien, die dieses Event prägen. „Dieser Ort ist besonders. Für viele ist es das erste Mal, dass sie an so einem großen Sportereignis teilnehmen dürfen“, freut sich Esther Veith-Breitkopf, Schulleiterin der Johannisschule. Von ihren gut 200 Kindern haben sich über 90 angemeldet. Eine stolze Zahl. 320 Jugendliche schickt das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium ins Rennen. „Ein Stück Sportkultur erschließen“, hieß das Motto für deren Pädagoge Thomas Alexewicz.

Rund 1800 Teilnehmer:innen bei den After-Workläufe und 553 Finisher:innen beim Hauptact, dem Lauf über vier Runden, also insgesamz zehn Kilometer.

Auch Oliver Brinkhege vom ISC Münster trotzte der Hitze und kam nach 27:53 Minuten als 280. Finisher des ersten Fünf-Kilometer-Laufs in Ziel.

10.000-Schritte-Wettbewerb am Vortag

Neben den traditionellen Läufen gehört der 10.000-Schritte-Wettbewerb am Vortag inzwischen zum Repertoire des Leonardo-Campus-Run. Der Tag vor der Veranstaltung ist der beliebten Sport-Alternative gewidmet. Viele Beschäftigte von Uni und FH sammelten am Dienstag (24. Juni) fleißig Schritte. Wer es nicht erwarten kann, wieder beim Leonardo-Campus-Run an den Start zu gehen, kann sich das Datum der 24. Auflage in den Kalender eintragen: 24. Juni 2026.

Die TOP drei der jeweiligen Leonardo Campus Wettbewerbe 2025 (Name, Verein, Zeit, Gesamtplatzierung):
2,5 Kilometer männlich:
1. Matti Teismann (LSF Münster), 9:09 min, 1.; 2. Frederik Jörgens (Gymnasium Paulinum Münster / LSF Münster), 9:55 min, 2.; 3.Mattheo Drücker (Ratsgymnasium), 9:55 min, 3.
2,5 Kilometer weiblich: 1. Emma Keller, 10:52 min, 13.; 2. Luise Ponelis, 10:55 min, 16.; 3. Ina Saerbeck (Schillergymnasium), 11:00 min, 18.
5 Kilometer Lauf 1, männlich: 1. Alexander Schill (LSF Münster), 16:28 min, 1.; 2. Matthias Pröbsting, 17:57 min, 2.; 3. Fabian Krüskemper (Running Crew Münster), 18:23 min, 3.
5 Kilometer Lauf 1, weiblich: 1. Frieda Breitkopf (LG Brillux Münster), 18:38, 4.; Marie Sommer (LSF Münster), 19:06 min, 6.; 3. Fenja Kemker (Running Crew Münster), 20:50 min, 35.
5 Kilometer Lauf 2, männlich: 1. Thorsten Zeder (Evident Runners), 18:35 min, 1.; 2. Dominik Terlau (Finanz Informatik), 18:48 min, 2.; 3. Oliver Qiu (Team Uni Münster), 18:58 min, 3.
5 Kilometer Lauf 2, weiblich: 1. Laura Deistler (SG Quelle Altenberge), 20:17 min, 18.; 2. Linda Schücker (Team Uni Münster), 20:40 min, 22.; 3. Hannah Keil (LSF Münster), 21:18 min, 34.
5 Kilometer Lauf 2, divers: 1. Trac Müller (Kinderkrebshilfe Münster), 38:18 min, 1., 741.
5 Kilometer Lauf 2, Team: 1. Team Uni Münster (Oliver Qiu, 18:58 min, Thomas Böckenholt, 19:12 min, Linda Schücker, 20:40 min), 58:48 min; 2. Finanz Informatik (Dominik Terlau, 18:48 min, Rainer Hilt, 20:11 min, Melanie Schlütter, 23:58 min), 1:02:55 std; 3. Volkshochschule Münster (Yannick Römer, 20:05 min, Leo Schulze Dephoff, 20:11 min, Silvia Sprenger, 22:51 min), 1:03:05 std.
5 Kilometer Lauf 3, männlich: 1. Dominik Schüßler (LSF Münster), 17:13 min, 1.; 2. Claudius Brockmann (LSF Münster), 17:37 min, 2.; 3. Manuel Goerlich (LSF Münster), 17:41 min, 3.
5 Kilometer Lauf 3, weiblich: 1. Antonia Rewer (Team Uni Münster), 18:24 min, 12.; 2. Miriam Zirk (LSF Münster), 19:02 min, 19.; 3. Lisa Kleine (Studienförderung Passo Fundo), 20:03 min, 36.
5 Kilometer Lauf 3, Team: 1. LSF Münster (Dominik Schüßle, 17:13 min, Claudius Brockmann, 17:37 min, Miriam Zirk, 19:02 min)), 53:50 min; 2. Team Uni Münster (Antonia Rewer 18:24 min, Thorben Böger 19:15 min, Felix Hoch 19:45 min)), 57:21 min; 3. Laufstilfabrik (Georg Remele 19:01 min, Timm Kröger 19:46 min, Alexandra Schoppe-Schmidt 20:41 min), 59:26 min.
10 Kilometer Lauf, männlich: 1. Manuel Kruse (Running Crew Münster), 33:14 min, 1.; 2. Yanick Rosenbaum, 34:32 min, 2.; 3. Jannis Müller, 34:33 min, 3.
10 Kilometer Lauf, weiblich: 1. Katja Tegler (Running Crew Münster), 37:45 min, 7.; 2. Hannah Vogel, 40:20 min, 15.; 3. Daniela Roettger, 40:27 min, 16.
Vier Mal 2,5 Kilometer, Staffel-Team: 1. Die Promenadenspiker (Viola Pelka, Daniel Lampe, Dennis Schwarz, Marko Gerlach) 36:56 min, 1.; 2. 205 bpm (Andre Hochgrefe, Ronja Arenbeck, Mika Rose, Lennard Weidel) 39:08 min, 2.; 3. Rennmäuse (Tim Erwig, Julia Brunsmann, Lennart Möllenhoff, Elena Sniers) 39:13 min, 3.
Vier Mal 2,5 Kilometer, Staffel-Team NRW Uni-Laufcup: 1. TU Dortmund 1 (Lara Voss, Lara Kiene, Elias Kroll, Lorenz Rix) 34:55 min, 1.; 2. RWTH Aachen Staffel (David Ginten, Sören Geil, Laura Koch, Leonie Rüenauve) 38:12 min, 2.; 3. Uni Münster 1 (Hannah Rösing, Pauline Wattenberg, Florian Eichblatt, Dennis Mallach) 39:20 min, 3.
10.000 Schritte Campus-Walk: 1. Janna Schöbel, 64.458 Schritte, 1.; 2. Prof. Dr. Alexander Dilger (Team Uni Münster) 56.271 Schritte, 2.; 3. Ann-Kathrin Bilda (Team Uni Münster) 36.114 Schritte, 3.

Alexander Schill vom LSF Münster lief vorne weg und kam natürlich als Erster ins Ziel.

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Zum Ausdrucken VIELFALT! vom 27. Juni 2025

Heute wieder eine neue Selfprint-Ausgabe

VIELFALT! Das bunte Münster. Ab sofort ist die Ausgabe 25-08 vom 27. Juni 2025 zum Ausdrucken und auch Onlinelesen hinterlegt. Das Lokalmagazin ist im Originalformat (DIN A3), aber auch in DIN A4 aufrufbar!

Selfprint

Das Blättchen für öffentliche Angelegenheiten ist aus Kostengründen nicht mehr kostenfrei in gedruckter Form erhältlich. Dafür gibt es die VIELFALT! Das bunte Münster weiterhin kostenfrei, allerdings nicht mehr fremdgedruckt, sondern als Selfprint-Magazin für den Ausdruck zu Hause, im Büro oder im Copyshop. Die DIN A4-PDF kann auch sehr gut online beziehungsweise nach Download offline auf den verschiedenen Geräten gelesen werden.

Themen der aktuellen Ausgabe 25-08 vom 27. Juni 2025: Der VCD Münsterland möchte im nächsten oder übernächsten Jahr, wenn die Bahnbrücke über den Kanal abgerissen wird, gern erreichen, dass die Züge aus Warendorf bis Mauritz und nicht nur bis Telgte fahren. Die vier Herausgeber und die Autorin Maike Frie lasen aus „Mehr als Kirche, Kohle, Kiepenkerl – 1250 Jahre Westfalen“. In Aasee entsteht eine Natur-Oase, die ein „Angebot zum Verweilen, Lernen und Erholen“ sei. Die LEG bereitet ihren Mieter:innen mal wieder Kopfzerbrechen. Diesmal geht es um vermutlich viel zu teure Heizkosten nach Umstellung auf Luft-Luft-Wärmepumpe. Der Zweitligist SC Preußen Münster ist mit seinem neuen Cheftrainer Alexander Ende in die Saisonvorbereitung gestartet und fünf Boule-Vereine führten eine Hobbyliga ein. Natürlich fehlen die Termin-Tipps in der neuen VIELFALT! Das bunte Münster nicht. Hier ist die aktuelle Ausgabe im DIN A3-Format und DIN A4-Format zu finden.

Newsletter

Grundsätzlich erscheinen auf dieser Webseite täglich neue Beiträge. Wer möchte, kann den (geplant) zwei Mal in der Woche erscheinenden Email-Newsletter des lokalen Blättchen für öffentliche Angelegenheiten: VIELFALT! Das bunte Münster sich zusenden lassen. Bestellung und Abbestellung per Email.

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Überraschung im Finanzausschuss

Zeller kündigt Doppelhaushalt an

Wegen der bevorstehenden Kommunalwahl wird Stadtkämmerin Christine Zeller dem Rat der Stadt Münster erstmals einen Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 vorlegen, teilte die Stadt Münster heute mit. „Der verlängerte Planungshorizont wird die zeitliche Verschiebung, die sich aus der Wahl ergibt, ausgleichen und Planungssicherheit vom Frühjahr 2026 bis Ende 2027 geben“, so Christine Zeller, die heute den Ausschuss für Wohnen, Liegenschaften, Finanzen und Wirtschaft über die Erstellung eines Doppelhaushalts, die sich in anderen Städten bewährt hat, informiert. Der Haushaltsentwurf mit seiner Mittelfristplanung bis 2030 soll dem Rat im Dezember vorgelegt werden.

Christine Zeller will dem Rat der Stadt Münster einen Doppelhaushalt für 2026 und 2ß27 vorlegen. (Foto: Stadt Münster / MünsterView)

Finanzlage der Stadt bleibt angespannt

Außerdem legt die Kämmerin dem Ausschuss einen Statusbericht zur Lage der Stadtfinanzen vor. Fazit: Die Finanzlage der Stadt bleibt angespannt und spiegelt damit die bundesweite Situation. So betrug der Finanzierungssaldo aller deutscher Kommunen im vergangenen Jahr 24,3 Milliarden Euro – ein im historischen Vergleich alarmierend hoher Betrag. Bundesweit leiden die Kommunen wie auch Münster unter den stark steigenden Ausgaben insbesondere im Bereich der sozialen Leistungen sowie unter wachsenden Personal- und Zinskosten. Allein die Transferaufwendungen machen in Münster 2025 rund 770 Millionen Euro und damit über 45 Prozent des städtischen Haushaltes aus.

Absehbar steigende, nicht abwendbare Bedarfe über das bislang bekannte Maß hinaus zeichnen sich beispielsweise im Sozial- und Jugendbereich ab. Wegen dieser und anderer Kostenverläufe hatte Zeller bereits im April 2024 den Prozess zur Stabilisierung der Stadtfinanzen aufgesetzt, der aus zwei Stufen besteht. Er setzt auf die bisherige Steuerung über Budgets auf und konnte in der ersten Stufe im Rahmen der Haushaltsplanung 2025 bereits 16 Millionen Euro Ergebnisverbesserung hervorbringen.

Dauerhaften Entlastungen in Höhe von 40 Millionen Euro pro Jahr

Um in der zweiten Stufe die notwendigen dauerhaften Entlastungen in Höhe von 40 Millionen Euro pro Jahr zu erreichen, werden derzeit mit Unterstützung durch ein externes Beratungsunternehmen die städtischen Aufwendungen unter die Lupe genommen. Parallel haben die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung mehr als 530 Einsparideen eingereicht. Diese werden aktuell ausgewertet. Neue Belastungen für den Haushalt können nur noch über Kompensationen an anderer Stelle gegenfinanziert werden.

„Münster will auch in Zukunft handlungsfähig, sozial verlässlich und investitionsfähig bleiben. Dafür braucht es nicht nur Mut zur Priorisierung, sondern auch eine ehrliche Analyse der finanziellen Realität. Mit dem Projekt Finanzstabilität schaffen wir genau das – auf Augenhöhe mit Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft“, so Stadtkämmerin Zeller.

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Wildcard-Team trumpft auf

Offene Bouleliga ist erfolgreich gestartet

Am vergangenen Sonntag war im Rahmen des „Münsteraner Bouletages“ die Offene Boule-Liga Münsterland an den Start gegangen. Sie wurde gegründet, um Spieler:innen, denen der Meisterschaftsbetrieb im Pétanque zu aufwendig ist, eine niedrigschwellige Möglichkeit zum sportlichen Wettkampf zu geben. Unter der Schirmherrschaft des Stadtsportbundes nahmen bei der Premiere fünf Vereinsteams aus Münster, DJK Borussia Münster, TSV Handorf, Klub für Kugelsport (KfK), SC Gremmendorf und Eintracht Münster, sowie ein „Wildcard-Team“ auf die Boulebahnen auf der Sentruper Höhe teil.

Am vergangenen Sonntag feierte die Offene Boule-Liga Münster auf der Sentruper Höhe mit dem ersten Spieltag ihre erfolgreiche Premiere. (Foto: Werner Szybalski)

Dabei erwies sich das Mixedteam, wie alle Mannschaften mit vier Spieler:innen dabei, als durchaus sehr erfahren und damit stark besetzt. Das Team von Eintracht Münster mit dem Mitorganisator der Bouletages, Dr. Wilfried Schmidt, an der Spitze, erlebte zwar kein Waterloo, musste aber durchaus Lehrgeld bezahlen. Die Kugelsportler:innen aus St. Mauritz verloren beide Doubletten gegen das Wildcard-Team. Da machte es sich bemerkbar, dass die Ostmünsteraner:innen noch nicht so erfahren sind. Zum Beispiel spielt Schmidt selbst erst seit zwei Jahren. 5:13 im einen und 7:13 im anderen Spiel „Zwei-gegen-zwei“ unterlag die Eintracht. Auch die Triplette ging deutlich 13:6 an das Wildcard-Team.

TSV Handorf ohne Fortune im Triplette

Im Spiel zwischen Borussia Münster, mit ihrer Vereinsanlage auf der Geist Gastgeber des zweiten Spieltages Ende August, und dem TSV Handorf ging es knapper zu. Denkbar eng verlief eines der beiden Doublette. Am Ende hatte das Boule-Team aus dem Süden der Stadt mit dem knappsten aller möglichen Ergebnisse (13:12) gegenüber den Spieler:innen aus dem Kaffeedorf an der Werse die Nase vorn. Da auch das zweit Dublette 13:6 an Borussia ging, war die Gesamtpartie schon entschieden, bevor das Triplette begann. In diesem „Drei-gegen-drei-Vergleich“ fehlte Handorf das Glück oder es war auch ein bisschen Frust dabei, denn die Spieler:innen von der Geist siegten deutlich 13:2.

Auch Zuschauer:innen können während des Meistershcafts- oder Offenen Liga-Betriebs immer schauen, wie es in den einzelnen Partien gerade steht.

Enge Partie zwischen den „Profi-Vereinen“

Wie offensichtlich auch bei einzelnen Akteur:innen aus dem Wildcard-Team mangelte es im Spiel zwischen Gastgeber Klub für Kugelsport und dem SC Gremmendorf nicht an Erfahrung. Die Hobbyspieler:innen beider Klubs lieferten sich ein enges Match. Je eine Doublette ging an beide Vereine. Während der KfK deutlich 13:4 gewann, musste Gremmendorf bei Sieg mit einem 13:8 zufrieden sein. Im Triplette drehten die Spieler:innen aus dem Südosten Münsters auf und siegten 13:4.

Erste Tabelle sagt noch nicht viel aus

Natürlich ist die erste Tabelle nur eine Momentaufnahme, die noch nicht allzu viel Aussagekraft hat. Da es aber nur drei Spieltage gibt, haben alle Akteur:innen zumindest einen Verdacht, was sie in der nächsten Partie am Sonntag, dem 31. August 2025, oberhalb des Fußball-Rasens an der Grevingstraße erwartet.

Trainingsmöglichkeiten auch für zukünftige Ligaspieler:innen

„In den Sommerferien gibt grundsätzlich jeden Dienstagabend um 17 Uhr auf dem KfK-Gelände auf der Sentruper Höhe im Rahmen des SSB-Programms »Sport im Park«, Schnupperkurse im Boule. Interessierte können Termine über die App des Stadtsportbundes buchen“, wirbt der KfK-Vorsitzende Michael Weise, der auch hinter dem Bahnhof aktiv ist: „Einen Schnupperkurs Boule biete ich übrigens auch am Bremer Platz an. Damit möchte ich die Stadt in ihrem Bemühen unterstützen, den Platz wieder »salonfähig« zu machen. Ich bin ganz gespannt, wie die Resonanz aus dem Stadtteil sein wird.“

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„Nazis Stoppen 05.07.“

Die Linke kritisiert Polizeieinsatz scharf

Am Dienstagnachmittag (24. Juni 2025) kurz nach 16 Uhr demonstrierten rund 60 Menschen vor der Polizeistation an der Julius-Voos-Straße gegen eine Polizeimaßnahme vom Vortag: Vier Menschen waren vor dem Münsteraner Hauptbahnhof zeitweise von der Polizei festgesetzt worden. Dabei wurden ihre Personalien aufgenommen, ihre Taschen durchsucht und auch persönliches Eigentum der Festgesetzten beschlagnahmt. Später erhielten sie einen Platzverweis. Auslöser für das Einschreiten der Münsteraner Polizei am Montag, so die Linke in einer Pressemitteilung, seien Anwohner:innen gewesen. Sie hätten sich „davon gestört gefühlt, dass die vier Personen mit Sprühkreide auf der Straße malten.“

Aufruf zum Protest gegen NPD-Demo in Münster gesprüht

Gesprüht wurde der Schriftzug „Nazis Stoppen 05.07.“, um damit zum Protest gegen die angekündigte Demonstration der Mitglieder der Heimat (ehemalig NPD) in Münster aufrufen. Dafür genutzt wurde lediglich wasserlösliche Sprühkreide. Dass einige wenige Anwohner*innen bei der Polizei anriefen, genügte der Polizei bereits, um den vier Personen eine Ordnungswidrigkeit in Form einer „Belästigung der Allgemeinheit“ vorzuwerfen. Ob eine Sachbeschädigung vorliegen könnte, ließen die Polizeibeamten noch einmal prüfen, schlossen dies allerdings aus. Neben einem Platzverweis wurden die Taschen der vier Personen durchsucht und ihre Sprühkreide sowie -schablone beschlagnahmt.

Sprühkreide provoziert Polizei

„Als Reaktion auf diese überzogene polizeiliche Maßnahme gegen den Einsatz von Kreide wurde eine Spontankundgebung für den 24. Juni um 16 Uhr vor der Polizeistation an der Julius-Voos-Straße angemeldet. Auch wurde angemeldet, dass dabei auf der Straße demonstrativ mit Kreide gemalt wird. Dies wurde von der Polizei zunächst bewilligt. 30 Minuten vor geplantem Start wurde die Erlaubnis für das Malen mit Kreide aber wieder zurückgezogen. Begründet wurde das mit der Aaseeordnung“, schreibt Die Linke in ihrer Pressemitteilung.

„Nach dem ersten Redebeitrag auf der Kundgebung, hätten sich zwei Personen mit Sprühkreide auf die Straße begeben und dort Spruch vom Vortag auf den Boden gesprüht. Einige Demonstrant:innen versammelten sich schützend um die zwei Personen. Trotzdem versuchte ein Polizist, die beiden Demonstrant:innen durch physische Gewalt vom Sprühen abzuhalten, was aber nicht funktionierte. Es wurde ein weiteres Mal der Schriftzug auf einen anderen Teil der Straße gesprüht, woraufhin einzelne Polizeibeamte begannen, Demonstrant*innen zu stoßen“, so die Aussage in der Pressemitteilung.

Schlag ins Gesicht?

Einem Demonstranten wäre dabei von einem Polizisten sogar ins Gesicht geschlagen worden. „Dieser ging zu Boden, musste später von einem Krankenwagen abgeholt und medizinisch versorgt werden. Als sich der Polizist mit der Kamera und einige Aktivist*innen sich bückten, um einen Gegenstand vom Boden aufzuheben, gelang es dem Beamten mit der Kamera den Gegenstand zu greifen, daraufhin wich er zurück und weitere Beamten begannen, Demonstrant*innen zurückzustoßen.“

Ein Demonstrant, der einem Polizisten zu nahe kam, als der sich nach einem Gegenstand bückte, sei ohne Vorwarnung von hinten von einem anderen Beamten ergriffen und zu Boden geworfen worden. Der Demonstrant wäre zunächst minutenlang mit dem Gesicht zum Boden gedrückt und festgehalten woden, bis er für eine kurze Dauer von der Versammlung isoliert und in die Polizeiwache gebracht wurde. Durch den Wurf zu Boden erlitt der Demonstrant, der später wieder freigelassen wurde, mehrere Verletzungen. Eine weitere Person wurde von der Polizei aus der Demonstration gezogen. Sie wurde mit Kabelbindern gefesselt und dann wurden ihre Personalien erfasst.

Zwei Verletzte, 50 Polizeibeamte wegen einer Kreidezeichnung!

Die Linke klagt an: „Nach der initialen Eskalation durch die Polizeibeamten riefen sie Verstärkung, sodass sich etwa 50 Beamte in der Julius-Voos-Straße versammelten wegen einer Kreidezeichnung! Dieser Machtmissbrauch und die Unfähigkeit, Konflikte friedlich zu lösen, verdeutlicht, wie wichtig die Botschaft der Demonstration war. Die von der Polizei Münster angewandte Gewalt muss kritisch und unabhängig aufgearbeitet werden.“

Montag: Ordnungswidrigkeitenanzeigen und Identität

Zum Vorfall am 23. Juni erklärte auf Nachfrage der Redaktion Jan Schabacker von der Polizei Münster: „Am Montagabend gegen 21:30 Uhr erhielt die Polizei einen Hinweis auf eine Gruppe von vier Personen, zwei Männer und zwei Frauen, die im Bereich der Promenade / Windthorststraße mit Sprühkreide Parolen gegen eine in Münster stattfindende rechte Demo aufsprühten. Die Personengruppe begab sich anschließend über die Windthorststraße in Richtung Hauptbahnhof. Dort wurde sie von Beamten der Bundespolizei angehalten. Die eingesetzten Polizisten der Polizei Münster stellten die Identität der Personen fest und fertigten Ordnungswidrigkeitenanzeigen.“

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Nano Stern singt in der B-Side

Erneuerer des chilenischen Lieds zu Gast in Münster

Nano Stern, geboren in Santiago de Chile, kann schon auf eine 20-jährige Bühnenkarriere zurückblicken. Er ist die unbestrittene Referenz der aktuellen Lied-Bewegung in Chile. Stern hat inzwischen zehn Studioalben veröffentlicht, wofür er zahlreiche Auszeichnungen der Musikindustrie erhielt. Der Musiker ist auf unzähligen Festivals und in Theatern in mehr als 40 Ländern aufgetreten, dabei hat er mit Joan Baez, Jorge Drexler, Quilapayún, Inti Illimani, Pedro Aznar, El Kanka und vielen anderen zusammengearbeitet. Veranstalter des Konzerts ist die B-Side Kultur gemeinsam mit dem KulturVerein Frauenstraße 24 und unterstützt vom Duo Contraviento.

Nano Stern kann am Mittwoch live in der B-Side genossen werden.

Mixed aus chilenischem Volkslied-Tradition, Rock, Renaissance-Musik und Jazz

Nano Stern zeichnet sich durch die Breite seines Klangbildes aus, schöpft dabei aus Elementen der tiefsten chilenischen Volkslied-Tradition, des Rock, der Renaissance-Musik und des Jazz und lässt daraus eine ganz eigene offene Musiksprache entstehen. Er ist ein virtuoser Multiinstrumentalist und beeindruckt bei seinen Konzerten oft mit der Kraft seiner Stimme, seiner Meisterschaft auf der Gitarre, der Geige, der Nyckelharpa, der Weidenflöte und vielen anderen Instrumenten. Im Jahr 2020 veröffentlichte er im Rahmen des Sozialen Aufstands in Chile seine erste Poesie-Veröffentlichung, die „Décimas del Estallido“, und bei seinen Auftritten mischt er Lieder und poetische Fragmente auf frische und originelle Weise ein.

Film über die Musikgeschichte während der Allende-Regierung

Neben seiner Bühnenkarriere hat Nano Stern umfangreiche Forschungsarbeit geleistet, die ihn 2023 dazu veranlasste, den Dokumentarfilm „En Septiembre Canta el Gallo“ (Der Hahn kräht im September) mitzuinszenieren, eine Geschichte der chilenischen Musik während der Regierung von Salvador Allende; der Dokumentarfilm wurde beim Inedit Chile Festival als bester Spielfilm ausgezeichnet und auf der ganzen Welt gezeigt. Bei den Festivals, bei denen er auftritt, gibt Stern in der Regel Kurse und Workshops, in denen er sein Handwerk und seine Kenntnisse der Musik Lateinamerikas und der Welt vertieft. Im März 2025 wurde er als Gastdozent vom renommierten Berklee College of Music in Boston, USA, eingeladen.

Nach der Veröffentlichung von „Nano Stern canta a Víctor Jara“ im Jahr 2023 geht der chilenische Sänger wieder auf Tournee, um Konzerte zu geben, in denen er seine eigenen Kompositionen zusammen mit emblematischen und bedeutenden Liedern des chilenischen und lateinamerikanischen Repertoires neu interpretiert und damit unter anderem Größen wie den bereits erwähnten Jara und Violeta Parra huldigt.

Eintrittskarten sind online für 17 Euro beziehungsweise ermäßigt für 12 Euro zu haben.

Geschichte des neuen chilenischen Lieds verfilmt
Am Vortag, Dienstag, dem 24. Juni 2025, wird in der B-Side um 19 Uhr der Film „En septiembre canta el gallo“ über die Geschichte des neuen chilenischen Lieds gezeigt. Nano Stern führte Regie.

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Geschichte einer furchtlosen Person

Angela Steidele liest aus dem Sachbuch „In Männerkleidern“

Die Autorin Angela Steidele stellt am Donnerstag (26. Juni 2025) um 18 Uhr ihr Sachbuch „In Männerkleidern“ in der Stadtbücherei am Alten Steinweg vor. Steidele erzählt das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel“. Die Biografie zeigt eine mutige Person aus ärmlichen Verhältnissen, die im anbrechenden 18. Jahrhundert als Frau geboren Männerkleider anlegte und Grenzen überwand, die ihr Stand und Geschlecht gesetzt hatten.

Angela Steidele liest am 26. Juni 2025 in der Stadtbücherei aus ihrem Sachbuch „In Männerkleidern“. (Foto: Heike Steinweg)

Tod wegen „Unzucht mit einem Weybe“

Auch heute finden sich kaum Kategorien, mit denen sich diese Lebensgeschichte einordnen lässt. Geboren 1687, aufgewachsen im Waisenhaus in Halle, legte Catharina Margareth Link schon als 15-Jährige Männerkleider an, nannte sich Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, arbeitete als Prophet, Soldat und Handwerker und heiratete 1717 eine Frau. In Männerkleidern lebte er / sie mit ihrer / seiner kirchlich angetrauten Ehefrau eine Zeit lang in Münster. Von der argwöhnischen Schwiegermutter enttarnt und verraten, wurde ihr / ihm der Inquisitionsprozess gemacht. Catharina Margareth Link war die letzte Frau, die in Europa wegen der „Unzucht mit einem Weybe“ 1721 hingerichtet wurde.

Die Stadtbücherei veranstaltet die Lesung in Kooperation mit dem Stadtarchiv, dem Amt für Gleichstellung und dem Droste-Festival. Der Eintritt zur Lesung ist frei, eine Anmeldung erforderlich. Interessierte können sich per Email oder telefonisch (02 51 / 4 92 47-01) anmelden. 

Die Autorin
Angela Steidele schreibt literarische Sachbücher auf Grundlage wissenschaftlicher Recherchen. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Buchpreis und den Klopstock-Preis für neue Literatur. Aktuell wirkt Steidele als Gastautorin am Center for Literature auf der Burg Hülshoff.

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Lesung in Stadtteilbücherei Hansaplatz

„Mehr als Kirche, Kohle, Kiepenkerl – 1250 Jahre Westfalen“

Anlässlich des 1250-jährigen Jubiläums des Landes Westfalen gab die Regionalgruppe Münsterland des Verbandes der deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller NRW die Anthologie „Mehr als Kirche, Kohle, Kiepenkerl – 1250 Jahre Westfalen“ heraus. Am kommenden Donnerstag (26. Juni 2025) steht das Werk um 19 Uhr in der Stadtteilbücherei am Hansaplatz im Zentrum einer Lesung mit anschließender Diskussion. Es lesen und diskutieren: Katja Angenent, Matthias Engels, Maike Frie, Alfons Huckebrinck und Frank Lingnau.

Westfälisches aus über 1000 Jahren sammelten Katja Angenent, Matthias Engels, Maike Frie, Alfons Huckebrinck und Frank Lingnau für ihre Anthologie.

Die Herausgeber:innen und Autorinnen Maike Frie wollen an diem Literaturabend einerseits ein Panorama der Region und seiner Menschen zeichnen und andererseits Bekanntes in neues Licht rücken und Unbekanntes aufspüren. In Gedichten, Essays und Prosatexten erwartet, so die Presseinformation, die Zuhörenden eine bewegende Reise entlang einer 1250-jährigen Geschichte. Zudem sprechen die Akteur:innen über die Entstehung der Texte, Westfalen als Inspirationsquelle und die gemeinsame Arbeit an der Anthologie. Der Eintritt ist frei. Wer sicher gehen möchte, einen Sitzplatz zu erhalten, kann diesen per Email verbindlich reservieren.

Literarisches zum Westfalen-Jubiläum

eine Kurzrezension von Werner Szybalski

43 Autor:innen haben die vier Herausgeber:innen, alle vier übrigens Mitglied der Regionalgruppe Münsterland im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), der professionell Schreibenden, zusammengestellt und zeitlich in die 1250jährige Geschichte des Landes Westfalen eingeordnet. Die Anthologie zum Jubiläum des östlichen Teils des erst 79 Jahre alten NRW-Bundeslandes beginnt nach dem vorgestellten Gedicht „De Woorth“ von Hermann Mensing mit dem Text „Stur wie ein Ochse“ von Bettina Ronschke im Jahr 790 und reicht bis in das aktuelle Jahrzehnt. Zum Abschluss des Werkes blickt Gerd Puls in „Stadt, Land Fluss – Partie in zwölf Etappen“ auf Westfalen „gestern – heute – morgen“. Puls liefert eine zusammenfassende Beschreibung, was Westfalen, die Subregionen und deren Menschen ausmacht. Zugleich ist es ein sehr gutes Finale für ein 280 Seiten umfassendes Buch mit Geschichten und Geschichtchen, die nicht nur Westfalenherzen höher schlagen lassen.

Neben bekannten Erzählungen über Kirche, Kohle und den Kiepenkerl blicken die Autor:innen auch auf weniger bekannte und vielleicht fast vergessene Aspekte Westfalens. Nach Ronschkes Blick in die Tage der Landesgründung, Westfalen wurde erstmals 875 in den fränkischen Reichsannalen erwähnt, folgt ein Sprung ins 13. Jahrhundert und auf den berühmten Hellweg, der aber hauptsächlich als Einführung zu einer im Rheinland spielenden Kriminalgeschichte führt. Mitten in Westfalen recherchierte Anne-Kathrin Koppetsch, die so einigen Opfern des 1100 Hexenprozesse in Westfalen namentlich in Erinnerung ruft.

„Nicht alles ist todt in Westfalen, was begraben ist“, stellte 1834 Heinrich Heine fest, der wusste, dass in den Westfalen noch viel sächsisches aus der Germanenzeit steckt. So geht es mit Westfälischem weiter bis in die jüngste Vergangenheit, in der Peter Hille bekennt: „Ich bin ein Sohn der roten Erde.“ Dorothea Kemper weiß zu erzählen, dass auch in der „Heimatliebe“ gefunden werden kann – sogar in der Eurobahn zwischen Ascheberg und Dortmund. Natürlich nur, wenn die Leserschaft von „Mehr als Kirche, Kohle, Kiepenkerl“ die manchmal seltsamen Hinweise zu verstehen lernt.

Angenent, Engels, Huckebrink, Lingnau (Herausgeber): Mehr als Kirche, Kohle, Kiepenkerl: 1250 Jahre Westfalen – neu erzählt; Elsinor Verlag für Longinus; Coesfeld 2025; 278 Seiten, 22,50 Euro; ISBN 978-3-939483-72-4

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Allez les boules!

Vereine gründen „Offene Boule-Liga“

Von Werner Szybalski

Das Wetter im Münsterland hat sich in diesem Jahr den Verhältnissen in der französischen Provence schon angepasst. Die Sonne brennt regelmäßig vom Firmament, so dass die Kugelfreund:innen im Boulodrome sich der Heimat des Kugelsports sehr nahe fühlen dürfen. Die Anlage des ältesten Boulevereins in Münster, dem Klub für Kugelsport (KfK), befindet sich auf der Sportanlage Sentruper Höhe. Im März kommenden Jahres wird der KfK 40 Jahre alt. Petanque wird nachgewiesen sogar schon seit dem 2. September 1984 auf der Sente gespielt. Damals trafen sich Frankreich-Urlauber:innen, um auf der Bocciabahn Boule zur Premiere in Münster zu werfen. An diesem Sonntag (22. Juni 2025), also 41 Jahre nach dem ersten Boulespiel in der Domstadt und 36 Jahre nach Eröffnung des Boulodrome auf der Sentruper Höhe, gab es wieder einen „großen Bahnhof“, denn erneut stand eine Premiere im Kugelsport in Münster an.

Auch Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine (M.) ließ am Sonntag auf der Sentruper Höhe die Boulekugeln fliegen. Philipp Hagemann (r.), Vorsitzender des Sportausschusses der Stadt Münster, trat gegen ihn an, während der Breitensport-Projektkoordinater des Stadtsportbundes, Dirk Henning, kritisch hinschaute. (Fotos: Werner Szybalski)

Regelmäßiges Spielangebot für Hobbyspieler:innen

Michael Weise, KfK-Vorsitzender, begrüßte die Spieler:innen und Gäste.

Am frühen Sonntagnachmittag freute sich Michael Weise, Chef des mit rund 70 Mitgliedern nicht nur ältesten, sondern auch größten Vereins in der Stadt, dass das Boulodrome immer voller wurde. Die zufällig anwesenden Spieler:innen mussten schon auf die hinteren Bahnen weichen, um vorn Platz für die Einführung der „Offenen Boule-Liga“ Platz zu schaffen.

Fünf Vereine, der stadtweite KfK, die DJK Borussia Münster von der Geist, der SC Gremmendorf und Eintracht Münster aus St. Mauritz, fanden sich zusammen, um auch den Hobbyspieler:innen in ihren Vereinen ein regelmäßiges Spielangebot in einer Liga zu geben. So setzten Dr. Winfried Schmidt, der Boulechef von Eintracht Münster ist erst seit zwei Jahren selbst mit der 700 Gramm schweren Metallkugel unterwegs, um sie im Wettbewerb möglichst nah an das „Schweinchen“, die er Zielkugel, zu platzieren, Michael Weise und Henry Jürgens, Beauftragter für Bildung und Breitensport des Boule und Pétanque Verbandes Nordrhein-Westfalen, zusammen und entwarfen die „13 Regeln für schöne Spiele in der »Offenen Boule-Liga Münsterland«“.

Offizielle Ligen von Kreisklasse bis zur Bundesliga

„Auch Hobbyspieler bekommen irgendwann Lust, nicht nur zum Spaß um den Sieg zu spielen. Der Schritt in eine der offiziellen Boule-Ligen ist dann aber schon groß. Schließlich stehen dort selbst in der Kreisliga nicht nur Spiele auf der heimischen Anlage an. Anreise, Spiel und Heimreise – da ist schnell ein ganzer Tag weg“, erläuterte der Besitzer im KfK-Vorstand Johannes Nolte-Risch: „Aber ab heute gibt es nun ja auch einen Wettbewerb für Hobbyspieler in Münster.“

Für Johannes Nolte-Risch (M.) ist Boule ein Familiensport, bei dem er seine Kinder gern dabei hat.

Unterhalb der Bundesliga organisiert der NRW-Verband die offiziellen Liga-Spiel zwischen den Vereinsmannschaften. In Nordrhein-Westfalen gibt es drei Kreisligen (A bis C), zwei Bezirksklassen (A und B), eine Bezirksliga, eine Regionalliga und an der Spitze die NRW-Liga. Aus Westfalen sind in der 16 Teams bundesweit umfassenden „Deutschen Pétanque Bundesliga“, so der offizielle Name, Bochum Diaboulo und der BV Ibbenbüren dabei. Die Kugelsportler aus dem Tecklenburger Land spielen derzeit schon ihre 15. Bundesliga-Saison. Einmal heimsten sie sogar den Deutschen Meistertitel ein.

Münsterländische Topteams kommen aus Ibbenbüren, Münster, Coesfeld und Ahlen

Mit Ahlen und Coesfeld kämpft der KfK Münster in der zweithöchsten NRW-Liga, der zweigeteilten Regionalliga um die Platzierung. Auf westfälischer Ebene sind Ibbenbüren 2, Münster 2, TV Jahn Rheine, Davert Senden, Wadersloh und Warendorf-Freckenhorst in der Bezirksliga auf Schweinchenjagd. Eine Klasse tiefer in der Bezirksklasse A, die auch ganz Westfalen als Einzugsgebiet umfasst, sind Beelen, Münster 3 und der SC Gremmendorf dabei. In der B-Bezirksklasse starten Ahlen 2, Coesfeld 2 und Burgsteinfurt.

In den drei Boule-Kreisligen sind aus dem Münsterland dabei:

  • A-Klasse: Drensteinfurt, Münster 4, BSG Nordwalde, Burgsteinfurt 4.
  • B-Klasse: Beelen 2, SC Gremmendorf 2, Davert Senden 2, Burgsteinfurt 2, Warendorf-Freckenhorst 2.
  • C-Klasse: Ahlen 3, Drensteinfurt 2, Burgsteinfurt 3.
Frauen und Männer spielen beim Boule übrigens zusammen und gegeneinander.

Drei Spieltage der Offenen Liga im Premierenjahr

Für die drei münsterschen Vereine Eintracht, DJK Borussia und SC Gremmendorf ist die neue Offene Pétanque-Liga also praktisch ein Ein- oder Wiedereinstieg in den Wettkampfsport. „Der Leistungssport breite Basis. Vor ihr aus können Vereine und Spieler:innen sich nach oben entwickeln“, begrüßte Michael Weise den Start der Offenen Liga, die drei Spieltage in diesem Jahr umfasst. Am Sonntag spielten im Boulodrome Borussia Münster gegen den TSV Handorf sowie KfK Münster gegen den SC Gremmendorf. Für den fünften Verein, Eintracht Münster, wurde als Gegner ein „Wildcard-Team“ zusammengestellt.

Eine Mannschaft in der offenen Boule-Liga besteht aus mindestens vier Spieler:innen. In der Auftaktveranstaltung im Sentruper Sportpark wurden zwei Doubletten und ein Triplette gespielt. Weitere Turniertermine sind für das laufende Jahr auf den Vereinsplätzen der DJK Borussia Münster (31. August 2025, 14 Uhr bis 17 Uhr) und des SC Gremmendorf (21. September 2025, 14 Uhr bis 17 Uhr) geplant.

Schirmherrschaft über den „Münsteraner Bouletag“ übernahm der Stadtsportbund

Als „Münsteraner Bouletag“ nannten die Organisator:innen den Auftakt der Hobbyliga, der zugleich ein Werbetag für den Boulesport war. Michael Weise: „Solche Hobbyligen gibt es überall in Deutschland – nur Münster war noch ein weißer Fleck auf der Hobbyboule-Landkarte. Dies ist mit dem heutigen Tag Geschichte.“ Wie häufig in Randsportarten beziehungsweise kleinen Sportfachverbänden sind die Teilnahmevoraussetzungen am Spielbetrieb auch des Pétanqueverbandes und seiner Untergliederungen in den Bundesländern eher hoch. „Die offiziellen Ligen des Verbandes verlangen ein hohes Engagement, beinhalten viele Termine, lange Spieltage und zum Teil erhebliche Anfahrten sowie eine Vereinsmitgliedschaften in einem Verbandsklub. Oben drauf kommt dann noch der Erwerb einer aktuellen Spiellizenz. Bei der Hobbyliga fällt das alles weg“, erläuterte der KfK-Vorsitzende.

Dr. Winfried Schmidt von Eintracht Münster ergänzte: „Die offene Liga ist da deutlich entspannter. Einerseits durch kleinere Mannschaften, ohne Lizenzpflicht, keine zwingende feste Mannschaften und vor allem weniger Spielen – dazu in entspannter Atmosphäre.“

Dirk Henning (l.) vertrat den Schirmherrn des Bouletages auf der Sentruper Höhe, den Stadtsportbund, und Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine sprach ein Grußwort der Stadt Münster.

Dirk Henning, Projektkoordinator Breitensport beim Boultetag-Schirmherrn Stadtsportbund Münster (SSB), betonte: „In jedem Stadtteil Münsters kann Boule gespielt werden. Ich denke, dieser Breitensport hat jetzt schon so viel Potential, dass eine Hobbyliga eine logische Konsequenz ist. Ein Bouletag ist der richtige Weg, um noch mehr Menschen für Vereinssport, aber auch ungebundenen Sport zu begeistern.“ Ratsherr Philipp Hagemann, Vorsitzender des Sportausschusses des Rates der Stadt Münster, der auf ein Grußwort verzichtete („Wir sind doch wegen des Sports hier.“), betonte am Rande der Veranstaltung: „Münster ist inzwischen schon ganz gut in Sportinfrastruktur – insbesondere im Breitensport – aufgestellt, aber wir haben noch längst nicht das erreicht, was wir uns als Ziel vorstellen. Es gibt noch einiges zu tun.“

Grußwort des Bezirksbürgermeisters

Die Sentruper Höhe gehört zum Stadtbezirk Münster-West. Deren Bezirksbürgermeister steckt zwar gerade mitten im Wahlkampf, denn Stephan Brinktrine will Nachfolger von Oberbürgermeister Markus Lewe werden, war aber vor Ort, um den OB offiziell beim Bouletag zu vertreten. Brinktrine ließ es sich nicht nehmen, selbst ein paar Kugeln – im Wettstreit mit seinem Parteikollegen Philipp Hagemann – zu werfen. Vorher betonte er in seinem Grußwort, was er kurz danach tatsächlich erlebte: „Boule ist eine Sportart, die leicht zu erlernen ist. Zudem benötigt niemand große Investitionen, um sie auszuüben. Beeindruckend ist die freundschaftliche Atmosphäre hier, obwohl es doch durchaus auch um Wettbewerb und damit um das Siegen geht. Aber die Hobbyspieler:innen hier im Boulodrome wissen offensichtlich, worauf es ankommt. Danken möchte ich den Organisator:innen in den Vereinen, dass Bouletag und Hobbyliga ermöglicht haben.“

Mit knapp einer halben Stunde Verspätung, da doch viele zuvor etwas zu sagen hatten, wurde die Premierenkugel der „Offenen Boule-Liga Münsterland“ endlich geworfen.

Zwanzig interessierte Einsteiger:innen

Der Bouletag sollte auch interessierte, potentielle Einsteiger:innen auf die Sentruper Höhe locken. Ein Wunsch, den gut zwanzig Menschen den Organisator:innen erfüllten und Henry Jürgens vom Boule und Pétanque Verbandes NRW, gehörig ins Schwitzen brachte. Die wenigsten der Neuen hatten eigene Kugeln, was aber beim KfK Münster kein Problem ist, denn der Verein hat genügend Spielmaterial vor Ort. Eine lange Viertelstunde führte Henry Jürgens, der auch Ausbilder der Bouletrainer ist, die Interessierten in den Sport ein, ehe sie sich auf der großzügigen, erst kürzlich von der Stadt Münster aufgefrischten Anlage zum Spielen verteilten.

13 kurze Regeln für „schöne Spiele“ in der Offenen Boule-Liga Münsterland
Kreis:
Beide Füße müssen im Abwurfkreis von 50 Zentimeter Durchmesser stehen.
Spielfeld: Das Schweinchen muss zwischen sechs und zehn Meter gelegt werden. Das Spielfeld soll mindestens drei Mal zwölf Meter groß sein.
Kugeln: Jedes Team spielt mit sechs Kugeln, die handelsüblich sein dürfen.
Kugel im Aus: Verlässt eine Kugel während des Spiels die Bahn, soll diese an die Seite gelegt werden.
Zeit: Es soll innerhalb von 60 Sekunden geworfen werden.
Messung: Im Zweifel immer den kürzesten Abstand zum Schweinchen nachmessen.
Punkte: Für jede Teamkugel am Schweinchen gibt es einen Punkt.
Wechsel: Vor jeder Aufnahme (Wurf des Schweinchen) darf ein Team Spieler:innen wechseln
Sieg: Das Triplette und die beiden Doubletten werden jeweils mit einem Punkt gewertet.
Inklusion: Rollstuhlfahrer:innen, Schlaganfallpatient:innen, an Demenz erkrankte – gemeinsam sollen die Teams einen Weg finden, damit alle mitspielen können.
Fair Play: Grundsätzlich gilt Störungen zu vermeiden und Rücksicht zu nehmen.
Gender: Möglichst sollen Frauen im Team sein.
Respekt: Spieler:innen sollen höflich, nett, respektvoll und wertschätzend sein und Zivilcourage zeigen, wenn es nötig ist.

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Der vergessene Nazi-Widerstand in Münster

Friedhelm Redlich gibt einen Einblick in seine Heimatforschung

Bei „Brot und Rosen – Lieder für eine bessere Welt“, einem Konzert am Vorabend des 1. Mai im Bennohaus, berichtete der inzwischen in Greven lebende gebürtige Münsteraner Autor Friedhelm Redlich erstmals von seinem neuen Forschungsprojekt zum Widerstand im Faschismus: „Jeder kennt in Münster den Bischof Kardinal von Galen. Er gilt als klassischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus im katholischen Münster. Aber gab es nicht noch andere Menschen, die sich widersetzten? Die aktiv gegen die Nazis in ihrer und unserer Stadt waren?“

Friedhelm Redlich (r.) berichtete erstmals öffentlich von seinen historischen Forschungen über Nazi-Widerstand in Münster beim Konzert „Brot und Rosen – Lieder für eine bessere Welt“ am 30. April im Bennohaus. (Foto: szy)

Das sei für den 61-Jährigen im vergangenen Jahr die Ausgangsfrage ge- wesen, die ihn inzwischen in Archive der Stadt, des Landes und des Bundes führte.
„Schnell stieß ich dabei auf Verfolgte aus den Jahren 1933 bis 1935, die damals in Münster verhaftet worden waren, in der Haft misshandelt und später zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurden“, berichtete Redlich. Darunter seien viele Mitglieder des sozialistischen und kommunistischen Widerstands gewesen, die auch schon vor dem 30. Januar 1933 gegen den Faschismus agiert hätten. Neben politischen Aktivisten:innen hätten vermutlich auch einfache Arbeiter:innen mehr als passiven Widerstand geleistet, weil sie sich den Nazis nicht wehrlos ergeben wollten.

Im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft verdängt

Nach dem Krieg seien diese Menschen nicht nur öffentlich vergessen worden, sondern hätten um Entschädigung für sich und ihre Renten kämpfen müssen. Dies zum Teil bei Stellen mit Mitarbeitenden, die auch im Nationalsozialismus mit vergleichbaren öffentlichen Aufgaben betraut waren. Friedhelm Redlich: „Im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft wurden diese Menschen schnell vergessen.“ Deshalb geht Redlich am Sonntag (16 Uhr, Frauenstraße 24) an die Öffentlichkeit, um an den Widerstand in „unserer Stadt zu erinnern und diese Taten vor dem Vergessen zu retten.“

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