Die Wahlmünsteranerin Carolin Dörfler träumt sich in Paris zum Glücklich sein
Von Werner Szybalski
Liebe und Sehnsucht – beides sind in wesentlicher Inhalt der insbesondere bei jungen Frauen sehr beliebten New-Adult-Romane. Die Sehnsucht nach erfüllter Liebe passt wunderbar in unsere Zeit. Nicht die Leiden des jungen Werther mit dramatischem Ausgang sondern Erzählungen mit Happyend finden derzeit insbesondere bei der weiblichen Leserinnenschaft Anklang. Die Wahlmünsteranerin Carolin Dörfler hat einen Roman geschrieben, übrigens ihre erste belletristische Veröffentlichung, die passgenau in den aktuellen Mainstream dieser Gattung passt.

Dörflers Ich-Erzählung handelt von der gebürtigen Pariserin Caroline. Die Angestellte in einem Rechtsanwaltsbüro liebt Bücher und das Fotografieren. Sie lebt allein mit ihrer Katze La Lune. Ihr Tagesrhythmus ist immer gleich und eigentlich total langweilig – trotzdem sei sie glücklich. Angeregt durch ihre vielen verschlungenen Bücher verliert sich die Propagandistin immer wieder in Träumen nach einer Partnerschaft.
Bücher und Bilder in der „Stadt der Liebe“
Beim Morgencafé auf ihrem Balkon entdeckt Caroline auf dem Gehweg vor ihrem Haus ein Buch. Es muss einer jungen Frau verloren gegangen sein, die sich telefonierend schnell entfernte. Carolin liebt Bücher, fast noch mehr als ihre Heimatstadt, die sie immer wieder mit der ständig mitgeführten Mittelfomatkamera festhält.
Sie holt das gefundene Buch, nimmt es mit nach oben, um es sofort auf ihren Balkon durchzublättern. Es ist ein Liebesroman, in dem Liebesbriefe versteckt sind. Offensichtlich wird das Buch genutzt, um seelenverwandte Menschen durch schriftliche Botschaften – versteckt zwischen den Seiten – zu finden und sich ihnen über schriftlichen Austausch zu nähern.
Das Buch ist eine Leihgabe aus der Caroline überraschend unbekannten Bibliothéque des réves in der fiktiven Pariser Münsterstraße. Direkt nach Arbeitsschluss taucht die von nervös-aufgeregte Caroline erstmals in die Welt des Buchcafés der Träume ein. Schnell erliegt sie dem Zauber und dem Charme dieser Bibliothéque, wo über in Büchern hinterlassene Briefe buchstäblich Träume wahr werden. Caroline, die sich zuvor schon oft in Büchern verlor und so dem wirklichen Leben entfloh, will dort nun ihr Glück ein klein wenig selbst in die Hand nehmen und entschließt sich, ebenfalls einen Brief in ein Buch zu legen.
Sie findet die Geschichte von Karin aus Bremen, übrigens dem Geburtsort der Autorin, die 1961 auf den Stufen von Sacré-Coeur ihre große Liebe findet. Carolin findet im Buch „Karin réve d´amour“ eine Geschichte, die sie auch aufgrund der verstrichenen Zeit, der Liebesroman mit vielen alten Bildern aus Paris spielt in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Blaupause für ihre erträumte Liebesgeschichte erweist, als Caroline schließlich eine Antwort auf ihren Brief findet.
Träume könnten in Erfüllung gehen
Fazit meiner Lektüre: Ein leidenschaftliches Buch für alle Menschen, die sich gern in Träumen verlieren und auf deren Erfüllung hoffen. Paris und Bücher – ein für Menschen auf der Suche nach Erfüllung durch Liebe doppeltes Versprechen. Sicherlich wird es nach der Lektüre einige Leser:innen geben, die in Werken, die ihnen viel bedeuten und ihrem Charakter nahe sind, in Büchereien gleichfalls Schreiben auf der Suche nach glücklicher Partnerschaft hinterlassen werden. Vielleicht hat die 60-jährige Carolin Dörfler, die mit ihrem Partner und zwei Hunden in Münster lebt, einen neuen Trend gesetzt, der zumindest dazu führen dürfte, dass mehr Bücher gelesen oder auch nach Botschaften durchsucht werden.
Carolin Dörfler: Das Buchcafé der Träume; Agenda Verlag; Münster 2026; 132 Seiten; 17,90 Euro; ISBN 978-3-89688-938-6; leider nicht in der Stadtbücherei Münster ausleihbar.



[…] Straßennamens stark gemacht hatte, stimmten auch Grüne und Volt dafür. Lediglich die Linken plädierten weiterhin auch für die Abschaffung…