Kein Schienenverkehr zwischen Rheine und Recke
Kreis Steinfurt. In dieser Wochegab es für die Nutzer:innen des Öffentlichen Verkehrs sowie für den Klimaschutz einen erneuten Tiefschlag in der 4. Verbandsversammlung des Zweckverband Mobilität Münsterland am Aasee in Münster. Am 15. Juli 2026 stellte Markus Rümke, Sachgebietsleitung Strategische Planung Nahverkehr Westfalen-Lippe, die Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) auf der Strecke von Rheine nach Recke vor. Mit einem niederschmetternden Ergebnis für Bahnbefürworter:innen, denn die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass eine Wiederinbetriebnahme des Schienenverkehrs von Rheine über Altenrheine, Rheine-Kanalhafen, Hörstel, Uffeln nach Recke wirtschaftlich nicht tragbar sei. Auch für die in Bearbeitung befindliche Reaktivierung zwischen Recke und Osnabrück ist diese Entscheidung ein Rückschlag.

25 Jahre Stillstand im Münsterland
„Nach der vorzeitigen Beerdigung der zu reaktivierenden Strecke zwischen Bocholt – Borken – Coesfeld ist die Aufgabe des möglichen Schienenverkehrs zwischen Rheine und Recke der nächste Rückschlag für das Münsterland. Die letzte – sehr erfolgreiche – Reaktivierung im Münsterland erfolgte dank des Engagements von Michael Geuckler vom ZVM vor inzwischen 25 Jahren. 2001 wurde die Verbindung zwischen Gronau und Enschede wieder in Betrieb genommen“, verdeutlicht Werner Szybalski, Vorsitzender von Pro Bahn Münsterland, das tatsächlich schon ein Vierteljahrhundert Stillstand in Sachen SPNV-Reaktivierungen herrscht.
Dabei zeige die Grafschaft Bentheim mit der Reaktivierung der Strecke bis ins niederländische Coevorden, die mit dem Fahrplanwechsel Ende des Jahres eröffnet werden soll, dass Schienenreaktivierungen sinnvoll sind und von den Fahrgästen sehr gut angenommen werden. „Nur das Münsterland geht auch bei dieser Reaktivierung der traditionellen Strecken zwischen Gronau nach Bad Bentheim und weiter ins niederländische Coevorden wieder leer aus“, zeigt sich Szybalski unzufrieden.
Erwartete Fahrgastzahlen oft zu niedrig angesetzt
Bei den erfolgten Reaktivierungen in Deutschland werden die Züge von den Fahrgästen fast überall deutlich besser angenommen, als es von den Planern geschätzt worden war, wie auch die Allianz pro Schiene auf ihrer Webseite festhält: „Die Fahrgastzahlen liegen fast immer deutlich über den Erwartungen und erreichen vielerorts neue Rekorde.“

Kosten in Höhe von rund 80 Millionen
Die Machbarkeitsstudie im Auftrag des NWL (Nahverkehr Westfalen-Lippe) errechnete Kosten von knapp über 80 Millionen Euro, wobei diese insbesondere durch neue Bahnquerungen sowie Leit- und Sicherheitstechnik entstehen. In die Gleisanlage müssten nur 16 Millionen gesteckt werden. Für Grunderwerb wurden eine Viertelmillion eingeplant. „Aus unserer Sicht sind das durchaus leistbare Kosten“, so der Pro-Bahn-Vorsitzende.
Wie bedeutend für die Menschen ein guten Takt ist, wird daran deutlich, dass es selbst in der sicherlich wieder konservativen Schätzung gleich ein Drittel mehr Fahrgäste beim 30-Minuten-Takt statt beim Stundentakt gibt.
NWL sieht aktuell keine Reaktivierungschance
„Die Wiederaufnahme des SPNV auf der Bahnstrecke Recke – Rheine ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht förderfähig mit einem Nutzen-Kosten-Indikator deutlich unter 1,0“, zog Markus Rümke in der Verbandsversammlung sein Fazit. Auch bei der in diesem Jahr noch anstehenden Fortschreibung des ÖPNV-Bedarfsplans nach einem landesweiten Verfahren erwartet Rümke kein deutlich anderes Ergebnis.
Gemäß Festlegung im Regionalplan Münsterland müsse die Trasse allerdings erhalten werden, „um gegebenenfalls bei zukünftig veränderten Mobilitätsbedürfnissen […] reaktiviert werden zu können.“
Pro Bahner Werner Szybalski zieht ein eigenes Fazit: „Wie die private Untersuchung der Machbarkeitsstudie bei Bocholt – Borken – Coesfeld gezeigt hat, sind nicht immer alle Annahmen in einer solchen Machbarkeitsstudie wirklich korrekt. Wir werden versuchen, am Thema dranzubleiben.“



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