Interkulturelles Münster

von der Willkommenskultur zur Willkommensstruktur

In Münster leben Menschen zusammen, deren individuelle Vorgeschichte in über 150 verschienenen Kulturen verwurzelt ist. Die Zugezogenen oder ihre Eltern und Großeltern sind nach Münster gekommen, um hier zu bleiben. Westfalen ist ihr Lebensmittelpunkt – ihre Heimat – geworden. Diese Neumünsteraner*innen sind willkommen, doch um das neue „Interkuturelle Münster“ zu verwirklichen, muss aus der verhandenen Willkommenskultur zukünftig eine Willkommensstruktur werden.

Die meisten der über 150 verschiedenen Kulturen in Münster bilden zumeist nicht mehr in sich geschlossene Organisationen, wie es vor rund 20 Jahren noch war. Vielmehr definieren sich die Organisationen der Menschen mit Migrationsvorgeschichte über dynamisch-kulturelle Beziehungen und Interaktionen sowohl unter sich als auch gegenüber der Stadtgesellschaft. Interaktionen, Kontakte und Begegnungen finden sowohl zwischen Personen aber auch zwischen Vereinen, Gruppen oder Initiativen diverser kultureller Herkünfte statt.

Um das neue „Interkuturelle Münster“ zu verwirklichen, muss aus der verhandenen Willkommenskultur zukünftig eine Willkommensstruktur werden.

Dr. Georgios Tsakalidis

Was bedeuten dieser Zustand? Welches politische Handeln erschließt sich daraus? Wie kann diese gelebte Wirklichkeit in Münster in nachhaltigen strukturellen Prozessen verwirklicht werden?

Unsere „Münster Liste – bunt und international“ trägt beide, sich im Wandel befindende Begriffe, nicht zufällig im Namen: Konkret stehen wir zum Internationalismus und der interkulturellen Solidarität als klare Abgrenzung zu dem zum wieder aufkommenden Nationalismus und der nationalpopulistischen völkischen Tendenzen der letzten Jahre. Daher streben wir im Rahmen unseres Konzeptes „Kommune selbst verwaltet“ eine stadtweite Vernetzung der interkulturellen Gruppen, darunter natürlich die bereits bestehenden mehr als 100 Migrant*innen-Organisationen (MSO) an. Sie sollen die Möglichkeit bekommen sich besser zu organisieren und zu strukturieren, in etwa nach dem Vorbild des Stadtsportbundes Münster, der dies schon seit über 100 Jahren tut.

Wir wollen die in Münster vorhandene Willkommenskultur einen erheblichen Schritt weiter bringen und dazu eine Willkommensstruktur in unserer Stadt schaffen. So können wir dazu beitragen, eine nachhaltige, offene, soziale und interkulturelle Stadt zu verwirklichen. Dazu fordern wir eine konkrete Willkommensstruktur in Münster, die auf Teilhabe, interkulturelle Vielfältigkeit und Wertschätzung sowie Akzeptanz beruht.
Die vielen Münsteraner Kulturen, egal wie weit oder eng man diesen Begriff umfasst, gewinnen ihre Identität heute weniger aus sich selbst heraus als vielmehr durch die Qualität ihrer Beziehungen zu anderen kulturellen Netzwerken. Die vorhandene Netzwerk-Arbeit der MSOs soll unterstützt und gestärkt werden.

Dabei ist ein seit den 1990er formuliertes Ziel, die Schaffung eines „Hauses der Kulturen“ in Münster, eine unserer zentralen Forderungen. Es kann bei der Sichtbarmachung der interkulturellen Potentiale Münsters die tragende Rolle spielen.
Ein solches Haus der Kulturen, unterstützt durch die Stadt, aber selbstständig in seinem Handeln, wird für die vielen Menschen, die oftmals nicht nur zu einer, sondern zu mehreren Kulturen zugehörig fühlen, näher zueinander bringen. Dies jedoch ohne dabei einzelne Akteur*innen, Kulturen oder Gruppen ihre eigene Identität verlieren zu lassen. Im Gegenteil sie haben dadurch die Chance eine neue dazu zugewinnen.
Es müssen dazu alle Wege und Möglichkeiten partizipatorisch und gemeinsam ausgehandelt werden.