Paul bleibt!

Die Bezirksvertretung Münster-Mitte behandelt am kommenden Mittwoch (23. Juni) auf der Sitzung im Stadthaus II (Ludgeriplatz) eine sehr wichtige Vorlage, die hoffentlich von der Mehrheit der örtlichen Mandatsträger*innen angenommen wird. Unter dem Tagesordnungspunkt 4.3. steht die dauerhafte Aufstellung der Skulptur „münsters GESCHICHTE VON UNTEN“, die die Künstlerin Silke Wagner für die Skulpturenausstellung 2007 erstellt hatte, auf der Agenda.

Der „Freundeskreis Paul Wulf“ hatte nicht nur die dauerhafte Aufstellung der einzigen Erinnerungsskulptur an die nationalsozialistischen Verbrechen in Westfalen – Paul Wulf wurde gegen seinen Willen zwangssterilisiert – in Münster durchgesetzt, sondern sorgt auch monatlich für die Aktualisierung der Texte auf der wie eine Litfaßsäule funktionierenden Skulptur auf dem Servatiplatz.

Die Paul-Wulf-Skulptur auf dem Servatiplatz soll dauerhaft stehen bleiben.

Dank des unermüdlichen Einsatzes insbesondere von Dr. Bernd Drücke wird in Münster auch an die Menschen in der untersten Schicht unserer Gesellschaft gedacht. Paul Wulf, älteren Münsteraner*innen gut in Erinnerung, war schon zu Lebzeiten eine Person, die in unserer Stadt sowie in ganz Westfalen seinen Finger nicht nur in unsere Geschichtswunden legte.

„Wenn Paul Wulf aus seiner mit Papieren vollgestopften Tasche Unterlagen zum Beweis seiner Aussagen zog, lief mir immer eine Gänsehaut über den Körper. Es war und ist unglaublich, mit welcher Energie Paul Wulf historisch, aber auch tagesaktuell in unserer Stadt aktiv war. Dabei hat Paul sich immer für alle Menschen, ganz besonders für die Ausgegrenzten, eingesetzt“, erinnert sich Werner Szybalski.

Bernd Drücke (Mitte) ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Paul-Wulf-Skulptur weiterhin auf dem Servatiplatz stehen wird.

In der Vorlage für die Bezirksvertretung heißt es: „Die Skulptur münsters GESCHICHTE VON UNTEN (Paul Wulf) ist von der Künstlerin Silke Wagner für die Skulptur Projekte 2007 realisiert worden. Im Anschluss an die Ausstellung entstand in der Stadtgesellschaft das Bedürfnis dafür Sorge zu tragen, dass die Skulptur, die ursprünglich als temporäre Aktion angelegt war, dauerhaft in Münster verbleiben kann. Das Kunstwerk konnte 2010 vom Verein zur Förderung einer Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsstätte in der ehemaligen Villa ten Hompel e. V. nach einer Spendensammlung und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Münster aus den Mitteln der Gewinnausschüttung der Sparkasse Münsterland-Ost erworben und anschließend der Stadt Münster geschenkt werden (vgl. V/0354/2010). Nach der Aufstellung der Skulptur waren der Verbleib und die Finanzierung mehrfach Gegenstand politischer Beratungen (Etatberatungen im Kulturausschuss, Vorlagen V/0271/2014 und V/0149/2015 an die Bezirksvertretung Münster-Mitte).

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Die Skulptur münsters GESCHICHTE VON UNTEN zeigt ein Portrait des Münsteraner Bürgers Paul Wulf und thematisiert dessen persönliches Schicksal als NS-Verfolgter und historischer Aufklärungspionier, das als Symbol für „Münsters Geschichte von unten“ verstanden werden kann. Das Projekt besteht aus zwei Teilen: Zum einen aus der 3,4 m hohen Betonskulptur von Paul Wulf, die als Ausstellungsfläche für „Münsters Geschichte von unten“ dient. Der Körper der Figur ist wie eine Litfaßsäule gestaltet und wird kontinuierlich (ca. einmal im Monat) neu plakatiert. Die Plakate thematisieren Paul Wulfs Aufklärungsarbeit, „Häuserkämpfe“ in der Stadt, die Anti-AKW-Bewegung in Münster u. ä. und stellen so eine Dokumentation der jüngeren politischen Zeitgeschichte dar. Neben der wechselnden Plakatierung stellt die digitale Präsentation von Teilen des Umweltzentrum-Archivs auf der Webseite www.uwz-archiv.de eine wesentliche Komponente der künstlerischen Arbeit dar.“