May-Ayim-Platz statt Danziger Freiheit

Münsters Internationalität sichtbar machen

Münster. Die „Münster Liste – bunt und international“ wird am Montag auf Vorschlag des Vorstandes der kommunalen Wähler*innen-Vereinigung „Münster Liste – bunt und international“ einen Bürgerantrag gemäß § 24 Gemeindeordnung beschließen, in dem die Stadt Münster aufgefordert wird, die Danziger Freiheit in May-Ayim-Platz umzubenennen. Die Versammlung am 11. Mai um 19 Uhr ist öffentlich. Teilnehmer*innen müssen sich aber wegen der Corona-Auflagen zuvor per Email (mail@bunt-und-international.de) oder Telefon (0171/4162359) anmelden.

es ist ein blues in Schwarzweiß es ist ein blues

doch wir wissen bescheid wir wissen bescheid

1/3 der menschheit feiert in weiß

2/3 der menschheit macht nicht mit

Schlusszeilen des Gedichts „blues in Schwarzweiß“ von May Ayim (1995): Berlin, Orlanda Frauenverlag
May Ayim (Foto: © Dagmar Schultz)

Die deutsche Dichterin, Pädagogin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung, May Ayim (1960 – 1996), die am vergangenen Sonntag (3. Mai) 60 Jahre alt geworden wäre, wuchs bei ihren Adoptiveltern in Münster auf und legte 1979 an der Friedensschule ihr Abitur ab. 1986 war Ayim Gründungsmitglied der Initiative „Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland“. Sie hatte Kontakte zu Vertreterinnen der internationalen schwarzen Frauenbewegung. May Ayim wehrte sich in Vorträgen und in ihren Gedichten gegen rassistische Diskriminierung.

Dabei ging es ihr um ihre alltäglichen Erfahrungen von Ungerechtigkeit und Dummheit. So deckte sie insbesondere den beleidigenden Charakter von Bezeichnungen wie Neger, Mischling oder Besatzungskind auf.

In der Veröffentlichung „Farbe bekennen“ schrieb sie: „Ich wuchs mit dem Gefühl auf, das in ihnen steckte: beweisen zu müssen, dass ein ‚Mischling‘, ein ‚Neger‘, ein ‚Heimkind‘ ein vollwertiger Mensch ist.“ Im Gedicht „deutschland im herbst“ zog sie 1992 eine Verbindung von der „Kristallnacht“ im November 1938 zum tödlichen Überfall auf Amadeu Antonio im November 1990 und schloss mit den Worten „mir graut vor dem winter“.

Ab 1992 publizierte sie unter dem Namen May Ayim. 1995 veröffentlichte sie die Gedichtsammlung „blues in schwarz weiß“. May Ayim gilt als eine der Pionierinnen der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland und schrieb nicht nur politische und sozialkritische Werke sondern auch Liebeslyrik.

Georgios Tsakalidis

„Mit der Umbenennung der Danziger Freiheit wird einerseits eine nationalsozialistische Namensgebung von 1934 endlich getilgt und andererseits die Internationalität Münsters durch die Umbenennung des Platzes nach May Ayim öffentlich deutlich gemacht“, erklärte Georgios Tsakalidis, einer der designierten Spitzenkandidaten der „Münster Liste – bunt und international“ bei der anstehenden Kommunalwahl.

Während des Nationalsozialismus in Münster, schon im Jahre 1934, wurde ein Teil der Warendorfer Straße in „Danziger Freiheit“ umbenannt. Damit sollte im Sinne der Vorbereitung für die geplante Kriegspolitik Deutschlands an die Freie Stadt Danzig, die durch den Vertrag von Versailles vom Deutschen Reich abgetrennt worden war, erinnert werden. Tatsächlich überfiel Deutschland, beginnend mit Beschuss eines polnischen Munitionslagers auf der Westerplatte, einer Halbinsel am Hafenrand von Danzig, durch das deutsche Schulschiff Schleswig-Holstein am 1. September 1939 um 4.47 Uhr, Polen und löste damit den schändlichen Zweiten Weltkrieg mit geschätzt über 60 Millionen Toten aus. Die Erinnerung an die Danziger Freiheit, die Stadt heißt heute Gdańsk und war unter anderem durch den Streik wegen der Entlassung der Kranführerin Anna Walentynowicz auf der Leninwerft am 14. August 1980 einer der Ausgangspunkte des von der Katholischen Kirche geförderten Arbeiteraufstands in Polen, gilt in Münster jedoch nicht für Gdańsk sondern der „Danziger Freiheit“, einem Synonym für „Danzig ist deutsch“. Dies muss beendet werden.

Werner Szybalski von der Münster Liste ergänzte: „Die Münsteranerin May Ayim, Tochter eines Professors aus Ghana und einer Deutschen, wuchs in unserer Stadt auf. Ihr bewundernswertes Engagement gegen alltäglichen Rassismus und die Inklusion der Afrikaner – nicht nur der Deutschen – in unsere Gesellschaft sollte mit der Umbenennung gewürdigt werden. Zudem zollt die Stadt und ihrer Einwohner*innen den Menschen mit Migrationsvorgeschichte damit den notwendigen Respekt und die verdiente Anerkennung. Auch wäre der May-Ayim-Platz ein sichtbares Mahnmal zur Bekämpfung des noch immer latent und auch offen bestehenden Rassismus in Münster.“

Der englische Dub- und Reggae-Musiker Linton Kwesi Johnson widmete May Ayim den Song „Reggae Fi May Ayim“.

Zum Straßennamen Danziger Freiheit und der Forderung der Friedenskooperative Münster aus dem Jahr 2018 den Platz umzubennen ein MünsterTube-Video von Lothar Hill: